Neuere Deutsche und Nordische Literatur, Seminar für Deutsche Philologie der Universität Göttingen (2,5 Mio. Euro)
Mit Heinrich Detering erhält ein Geisteswissenschaftler den Leibniz-Preis, der weit über die Fachwelt hinaus die kulturgeschichtlichen Diskussionen der vergangenen Jahre bereicherte. Als Literaturwissenschaftler befasst sich Detering vor allem mit der deutschen und skandinavischen Literatur seit dem 18. Jahrhundert, in der er mit originellen Fragestellungen ebenso grundlegenden wie bislang unbeachteten Zusammenhängen nachspürt. So konnte er mit seiner scharfsinnigen und präzise Analyse der "literarischen Produktivität eines Tabus von Winckelmann bis Thomas Mann" zeigen, dass die Unterdrückung homoerotischer Veranlagungen zur Entwicklung subtiler Narrative führte und sich damit positiv auf die Kunst des Erzählens auswirkte. Als Mitherausgeber und Kommentator der Frankfurter Thomas-Mann-Werkausgabe machte er vor allem große Teile der Mann'schen Essays zugänglich. Sein breites Interesse zeigt Detering auch in Arbeiten über Nietzsche, Laotse und Bob Dylan. Mit den "Grundzügen der Literaturwissenschaft" gibt Detering eine Standardreihe heraus, die nicht nur von Studierenden der Germanistik gelesen wird, und auch als Literaturkritiker ist er einem breiteren Publikum bekannt. Auf allen Feldern hat er sich als ebenso wortmächtig wie textnah und leserfreundlich erwiesen.
Heinrich Detering studierte Deutsche und Skandinavische Philologie, Evangelische Theologie und Philosophie in Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion und Habilitation war er ab 1995 zunächst als Professor in Kiel tätig, seit 2005 ist er Professor für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft in Göttingen. Er hat mehrere Gastprofessuren in Dänemark, Norwegen und den USA wahrgenommen und ist Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen und literarischen Akademien und Gesellschaften.
Herzlichen Glückwunsch auch von der Redaktion!
2008/12/13
2008/11/03
eine Grußrede in Form einer Phantasie über einen Tag aus dem Leben eines Lehrbuchautors
Einstieg
Jetzt ist es genug, bloß herumzuspazieren!
nun seid ihr soweit, auszuspionieren,
was erwartet euch hier, in den Pabel’schen Wänden,
wird euer Los euch mal rühmen oder schänden.
Nun los! Passt auf! Es erheitern euch heute,
wie angesagt wurde, lauter prächtige Leute,
sprachgewandt und qualifiziert,
germanistisch hochstudiert,
brav und munter, gut trainiert
und auch sittlich kultiviert.
Jeder führt hier seine Stunde:
Wort- und Satz- und Landeskunde,
und dazu noch – alle Ehre! –
Poesie und Stillehre,
Lese-, Rede-, Schreibekunst –
das ist keine blaue Dunst!
Alles hat ´nen Sinn und Zweck ,
wie im Leibe Blut und Speck.
Ars longa, vita brevis est… Und brevis ist auch unser Fest.
So lasst uns singen unser Lied – ein ganz klein bisschen didaktisiert –
wie läuft ein Tag bei uns, Doktoren, Sprachmagistern, Senioren
und noch vielen wohlgebor’nen, aber freundlichen Personen,
wie zum Beispiel weltverlor’nen fleißigen Lehrbuchautoren.
Antizipation
Aufs schwerste belastet durch heimliche Sorgen,
überleg’ ich am Abend: Was erwartet mich morgen?
Werde ich durch gute Ideen bereichert?
Was wird im Langzeitgedächtnis gespeichert?
Orientierung
Es liegt auf der Hand – all die zahlreichen Bücher,
an denen man immer so angestrengt büffelt,
sind gar nicht so gut – jedes hat seine Tücken,
zuweilen sogar ganz erhebliche Lücken:
Eins ist chaotisch, ein and'res naiv,
ein drittes scholastisch, ein viertes skurril...
Es ist an der Zeit, sich die Fehler zu merken,
den lieben Studenten 'was Neues zu schenken –
ein Lehrbuch, das nicht mehr an den Fehlern leidet,
das sich von den früheren stark unterscheidet,
in dem man unnötigen Quatsch vermeidet,
so dass man den Lernenden wirklich beneidet!
Kursorisch
A. Bei so einer Arbeit ist unheimlich wichtig:
Man hat ein Konzept – und das ist auch richtig!
B. Als zweites dann soll man im Auge behalten,
dass sich die Gedanken auch logisch entfalten.
C. Erst einfach, dann schwierig – sei immer die Regel!
(So etwas behauptete schon Vater Hegel...)
D. Kommt alles in mäßiger Progression,
gelangt man zur Wahrheit durch Diskussion -
dann kann man wohl hoffen – das Resultat
entspricht den Erwartungen in der Tat...
Total
Es ist aber traurig, alleine zu sitzen,
an Übungsmethoden und -formen zu schwitzen,
aus einem Chaos keinen Ausweg zu wissen
und dann einen kritischen Kerl zu vermissen,
der in deinem reifenden Opus blättert,
an diesem und jenem ein bisschen auch meckert.
Der Mensch ist schon mal nicht vollkommen geschaffen –
was bei einem bleibt übrig, macht dem andern zu schaffen...
Wortkundler zerschneidet die Stämme und Silben,
fügt Wurzeln zusammen, lässt kürzen und bilden...
Grammatiker aber lässt beugen und brechen,
im Konjunktiv wünschen, im Indikativ versprechen...
Stillehrerin bohrt auch dann zwischen den Zeilen,
will alles noch doppelt und dreifach feilen...
Fazit
Vergeht so ein Tag, und noch einer, noch einer...
Das Buch wird immer dicker, die Weisheiten feiner.
Dann leuchtet der Tag, wo die vielen Autoren
besiegt haben alle Bremsfaktoren
und sehen im Regal die fertigen Bände...
Rosinen im Kopf und Sperling in Händen.
Jetzt ist es genug, bloß herumzuspazieren!
nun seid ihr soweit, auszuspionieren,
was erwartet euch hier, in den Pabel’schen Wänden,
wird euer Los euch mal rühmen oder schänden.
Nun los! Passt auf! Es erheitern euch heute,
wie angesagt wurde, lauter prächtige Leute,
sprachgewandt und qualifiziert,
germanistisch hochstudiert,
brav und munter, gut trainiert
und auch sittlich kultiviert.
Jeder führt hier seine Stunde:
Wort- und Satz- und Landeskunde,
und dazu noch – alle Ehre! –
Poesie und Stillehre,
Lese-, Rede-, Schreibekunst –
das ist keine blaue Dunst!
Alles hat ´nen Sinn und Zweck ,
wie im Leibe Blut und Speck.
Ars longa, vita brevis est… Und brevis ist auch unser Fest.
So lasst uns singen unser Lied – ein ganz klein bisschen didaktisiert –
wie läuft ein Tag bei uns, Doktoren, Sprachmagistern, Senioren
und noch vielen wohlgebor’nen, aber freundlichen Personen,
wie zum Beispiel weltverlor’nen fleißigen Lehrbuchautoren.
Antizipation
Aufs schwerste belastet durch heimliche Sorgen,
überleg’ ich am Abend: Was erwartet mich morgen?
Werde ich durch gute Ideen bereichert?
Was wird im Langzeitgedächtnis gespeichert?
Orientierung
Es liegt auf der Hand – all die zahlreichen Bücher,
an denen man immer so angestrengt büffelt,
sind gar nicht so gut – jedes hat seine Tücken,
zuweilen sogar ganz erhebliche Lücken:
Eins ist chaotisch, ein and'res naiv,
ein drittes scholastisch, ein viertes skurril...
Es ist an der Zeit, sich die Fehler zu merken,
den lieben Studenten 'was Neues zu schenken –
ein Lehrbuch, das nicht mehr an den Fehlern leidet,
das sich von den früheren stark unterscheidet,
in dem man unnötigen Quatsch vermeidet,
so dass man den Lernenden wirklich beneidet!
Kursorisch
A. Bei so einer Arbeit ist unheimlich wichtig:
Man hat ein Konzept – und das ist auch richtig!
B. Als zweites dann soll man im Auge behalten,
dass sich die Gedanken auch logisch entfalten.
C. Erst einfach, dann schwierig – sei immer die Regel!
(So etwas behauptete schon Vater Hegel...)
D. Kommt alles in mäßiger Progression,
gelangt man zur Wahrheit durch Diskussion -
dann kann man wohl hoffen – das Resultat
entspricht den Erwartungen in der Tat...
Total
Es ist aber traurig, alleine zu sitzen,
an Übungsmethoden und -formen zu schwitzen,
aus einem Chaos keinen Ausweg zu wissen
und dann einen kritischen Kerl zu vermissen,
der in deinem reifenden Opus blättert,
an diesem und jenem ein bisschen auch meckert.
Der Mensch ist schon mal nicht vollkommen geschaffen –
was bei einem bleibt übrig, macht dem andern zu schaffen...
Wortkundler zerschneidet die Stämme und Silben,
fügt Wurzeln zusammen, lässt kürzen und bilden...
Grammatiker aber lässt beugen und brechen,
im Konjunktiv wünschen, im Indikativ versprechen...
Stillehrerin bohrt auch dann zwischen den Zeilen,
will alles noch doppelt und dreifach feilen...
Fazit
Vergeht so ein Tag, und noch einer, noch einer...
Das Buch wird immer dicker, die Weisheiten feiner.
Dann leuchtet der Tag, wo die vielen Autoren
besiegt haben alle Bremsfaktoren
und sehen im Regal die fertigen Bände...
Rosinen im Kopf und Sperling in Händen.
(von Anne Arold, zur Fuchstaufe, im Namen der Lehrkräfte)
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