2008/11/03

eine Grußrede in Form einer Phantasie über einen Tag aus dem Leben eines Lehrbuchautors

Einstieg

Jetzt ist es genug, bloß herumzuspazieren!
nun seid ihr soweit, auszuspionieren,
was erwartet euch hier, in den Pabel’schen Wänden,
wird euer Los euch mal rühmen oder schänden.

Nun los! Passt auf! Es erheitern euch heute,
wie angesagt wurde, lauter prächtige Leute,
sprachgewandt und qualifiziert,
germanistisch hochstudiert,
brav und munter, gut trainiert
und auch sittlich kultiviert.
Jeder führt hier seine Stunde:
Wort- und Satz- und Landeskunde,
und dazu noch – alle Ehre! –
Poesie und Stillehre,
Lese-, Rede-, Schreibekunst –
das ist keine blaue Dunst!
Alles hat ´nen Sinn und Zweck ,
wie im Leibe Blut und Speck.

Ars longa, vita brevis est… Und brevis ist auch unser Fest.
So lasst uns singen unser Lied – ein ganz klein bisschen didaktisiert –
wie läuft ein Tag bei uns, Doktoren, Sprachmagistern, Senioren
und noch vielen wohlgebor’nen, aber freundlichen Personen,
wie zum Beispiel weltverlor’nen fleißigen Lehrbuchautoren.


Antizipation

Aufs schwerste belastet durch heimliche Sorgen,
überleg’ ich am Abend: Was erwartet mich morgen?
Werde ich durch gute Ideen bereichert?
Was wird im Langzeitgedächtnis gespeichert?


Orientierung

Es liegt auf der Hand – all die zahlreichen Bücher,
an denen man immer so angestrengt büffelt,
sind gar nicht so gut – jedes hat seine Tücken,
zuweilen sogar ganz erhebliche Lücken:
Eins ist chaotisch, ein and'res naiv,
ein drittes scholastisch, ein viertes skurril...

Es ist an der Zeit, sich die Fehler zu merken,
den lieben Studenten 'was Neues zu schenken –
ein Lehrbuch, das nicht mehr an den Fehlern leidet,
das sich von den früheren stark unterscheidet,
in dem man unnötigen Quatsch vermeidet,
so dass man den Lernenden wirklich beneidet!


Kursorisch

A. Bei so einer Arbeit ist unheimlich wichtig:
Man hat ein Konzept – und das ist auch richtig!

B. Als zweites dann soll man im Auge behalten,
dass sich die Gedanken auch logisch entfalten.

C. Erst einfach, dann schwierig – sei immer die Regel!
(So etwas behauptete schon Vater Hegel...)

D. Kommt alles in mäßiger Progression,
gelangt man zur Wahrheit durch Diskussion -
dann kann man wohl hoffen – das Resultat
entspricht den Erwartungen in der Tat...


Total

Es ist aber traurig, alleine zu sitzen,
an Übungsmethoden und -formen zu schwitzen,
aus einem Chaos keinen Ausweg zu wissen
und dann einen kritischen Kerl zu vermissen,
der in deinem reifenden Opus blättert,
an diesem und jenem ein bisschen auch meckert.
Der Mensch ist schon mal nicht vollkommen geschaffen –
was bei einem bleibt übrig, macht dem andern zu schaffen...

Wortkundler zerschneidet die Stämme und Silben,
fügt Wurzeln zusammen, lässt kürzen und bilden...
Grammatiker aber lässt beugen und brechen,
im Konjunktiv wünschen, im Indikativ versprechen...
Stillehrerin bohrt auch dann zwischen den Zeilen,
will alles noch doppelt und dreifach feilen...


Fazit

Vergeht so ein Tag, und noch einer, noch einer...
Das Buch wird immer dicker, die Weisheiten feiner.

Dann leuchtet der Tag, wo die vielen Autoren
besiegt haben alle Bremsfaktoren
und sehen im Regal die fertigen Bände...
Rosinen im Kopf und Sperling in Händen.


(von Anne Arold, zur Fuchstaufe, im Namen der Lehrkräfte)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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